Wissenswertes zum Rechtsrock

Das waren deine Fragen!

  1. Ab wann ist Musik aufgrund der rechtsextremen Textinhalte verboten?
  2. Macht man sich eigentlich strafbar, wenn man indizierte Musik über das Internet/ 
 per Email/ auf USB-Sticks verbreitet?
  3. Mache ich mich strafbar, wenn ich ein Konzert einer rechtsextremen Band 
 besuche?
  4. Was ist mit dem Besuch eines nicht genehmigten Konzertes einer rechtsextremen 
 Band? Mache ich mich damit strafbar?
  5. Darf ich Tonträger mit rechtsextremer Musik einfach in den Müll schmeißen, wenn 
 ich aus der Szene aussteigen will?

Und nun ist es endlich so weit! Hier unsere Antworten für dich in einzelnen Blöcken unterteilt:

Es wird kaum eine unkomplizierte Gelegenheit geben, auf ein Konzert einer Band mit einschlägig rechtsextremen Texten zu gehen: ggf. triffst du auf Polizeikontrollen bei der Anreise, die Anwesenheit von Journalisten und Antifa, usw. Die Strafbarkeit eines solchen Konzertbesuchs hängt aber vielmehr davon ab, was dort geschieht: Welche Lieder werden gespielt? Was geht am Merchandise-Stand über die Theke? Wie verhält sich das Publikum, wie verhältst du dich?

  • Spielt die Band indizierte Lieder,
  • reißt das Publikum in seiner Euphorie den rechten Arm szenetypisch nach oben,
  • eskaliert die „Wut im Bauch“ selbst gegenüber vermeintlichen Kameraden unter Alkohol- und Musikeinfluss?

Denkbar sind einige Straftaten, die auf dem begrenzten Raum eines Konzertgeländes begangen werden können.

Ob du daran beteiligt bist, entscheidest ganz allein du selbst.

 

  • Was ist mit dem Besuch eines nicht genehmigten Konzertes einer rechtsextremen Band? Mache ich mich damit strafbar?

Solche Konzerte werden nicht selten als „Geburtstagsfeiern“ getarnt oder finden auf abgelegenen Grundstücken, im Besitz von rechtsextrem orientierten Personen statt, auf die Polizei und Sicherheitsbehörden keinen unmittelbaren Zugriff haben. Dies schließt selbstredend nicht aus, dass an diesen Orten von Anwesenden Straftaten begangen werden (Ruhestörung, Grölen volksverhetzender Parolen, Zeigen des Hitler-Grußes, Beschädigung von Eigentum, Körperverletzungen).

Schon der Zugang zu diesen Konzerten ist sehr selektiv: Denkbar ist, dass du per SMS Informationen bekommst, die erst einmal an einen anderen Ort führen, an dem weitere Hinweise mündlich ausgetauscht werden. Dies soll es Journalisten, Verfassungs- und Staatsschützern und anderen szenefremden Personen erschweren, unbemerkt zum Veranstaltungsort zu gelangen. Oftmals gelingt es den Sicherheitsbehörden dennoch, den Ort ausfindig zu machen und bei einer Auflösung der Versammlung/Veranstaltung kommt es nicht selten zu Gewalt gegen Polizisten.

Gegenfrage: Was bewegt dich dazu, auf ein solches Konzert zu gehen - ist es der nächste Schritt, nachdem du mit oder bei Kameraden Musik auf der Anlage oder im Internet gehört hast? Möglicherweise wirst du verstört darüber sein, wie viel Wut sich auf solchen Konzerten entladen kann – selbst gegen erwünschte Besucher. Du wirst dort übrigens kaum Frauen begegnen.

 

  • Darf ich Tonträger mit rechtsextremer Musik einfach in den Müll schmeißen, wenn ich aus der Szene aussteigen will? Was mache ich mit den ganzen Alben auf meinem Rechner und den CDs im Regal, wenn ich bereit bin, auszusteigen? Fliegt das einfach weg?

Wenn du konsequent und glaubwürdig mit der rechten Szene brechen willst, dann ist die bewusste Entsorgung vorhandener rechtsextremer Tonträger und entsprechender Dateien auf deinem Computer ein entscheidender Punkt. Warum?

Musik schafft Verbindungen von Erinnerungen und Gefühlen, die es dir erschweren können, deine Szenevergangenheit hinter dir zu lassen. Nicht ohne Grund nutzt die Szene ein immer breiter werdendes Spektrum an Musik mit rechtsextremen Botschaften, um junge Menschen anzuziehen. Die Musik fliegt also nicht einfach weg – du wirst dich in Gesprächen intensiv damit beschäftigen, wie sie jemals auf deinen Rechner oder in dein Regal kam und warum es dir nun schwer fällt, sie wieder zu entfernen. Dabei sind wir dir gern behilflich.

 

  • Wenn dir klar ist, dass du mit der rechtsextremen Musik nichts mehr anfangen kannst und willst, fragst du dich vielleicht: wohin dann mit dem ganzen Zeug in meinem CD-Regal?

Auch dafür gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Sicher ist die Müllentsorgung eine Alternative für CD`s, aber vielleicht machst du dir auch ein Fest daraus, die alte Musik zu entwerten!

Wenn es schnell gehen soll, wirfst du sie in den normalen Hausmüll und zwar an dem Tag, an dem kurze Zeit später die Müllabfuhr kommt. Dann ist sie schon mal weg. Nimmst du dir mehr Zeit, dann kannst du die Tonträger vorher noch mit Kratzern versehen oder anderweitig unhörbar machen. Du wirst wahrscheinlich ein gutes Gefühl der Erleichterung verspüren, denn dieser Teil der Gebundenheit belastet dich nicht mehr! Außerdem schaffst du jede Menge Platz für neue Musik in deinem Musikständer oder Regal. Das hat was!

Wir haben es auch schon erlebt, dass ein Ritual helfen kann, dieser Trennung ein bewusstes Zeichen zu geben. Du kannst die Tonträger mit einer Schere zerschneiden, das macht möglicherweise tatsächlich Spaß, auch wenn es dich ein bisschen Kraft kostet. Danach überlässt du die Reste dem Hausmüll. Das Zerschneiden verdeutlicht noch einmal den klaren Schnitt, den du mit deiner Vergangenheit machst. Du besiegelst den Aufbruch in deine neue Zeit. Eine funktionierende Schere stellen wir dir dafür gerne zur Verfügung, kein Problem.

 

  • Welche Musik kann ich denn überhaupt noch hören, wenn ich „weg von rechts“ bin?

Gegenfrage: Was hat dich denn bislang an Musik begeistert – waren es eher Rhythmus und Melodie oder vor allem die Texte? Dass du sicher nicht sofort von Rechtsrock oder NSHC auf deutschsprachigen Pop und Black Music umsteigen wirst, ist dir und uns klar. Bei mehr als 100 Musikgenres und Millionen Musikerinnen und Musikern sind wir uns ziemlich sicher, dass du eine Alternative finden wirst, die ohne rassistische, menschenfeindliche Ausbrüche und Gewaltphantasien auskommt- genau so wie du selbst.